Im Rahmen von Umbrüche gestalten wurden sieben verbindliche Kernkompetenzen und Kerninhalte für Hochschulen und Universitäten in ganz Niedersachsen formuliert.

Damit wurde eine Grundlage für die gemeinsame Entwicklung von sprachenbildenden Materialien an allen teilnehmenden Hochschulstandorten geschaffen. Die Kernkompetenzen und Kerninhalte wurden an die Strukturen der am Projekt teilnehmenden Hochschulen angepasst, sodass sie in die dort angebotenen Studiengänge integrierbar sind.

Die sieben Kernkompetenzen und Kerninhalte umfassen jeweils Kompetenzbeschreibungen und exemplarische Inhalte. Einen thematischen Schwerpunkt bildete in der Projektarbeit insbesondere die Ausbildung bildungssprachlicher Handlungsfähigkeiten und fächerspezifischer Diskursfähigkeiten.

Die Integration der Kernkompetenzen und Kerninhalte in die Studiengänge wurde erfolgreich begonnen und wird auch über das Projektende hinaus in Anschlussprojekten weitergeführt.

Kompetenzbeschreibungen und Kerninhalte

Kompetenzbeschreibungen Exemplarische Inhalte

A Studierende können relevante sprachenpolitische Entwicklungen in Deutschland und Europa schildern.

B Studierende können den Einfluss von Sprachenpolitik auf die schulische Förderung von Sprachen darstellen.

  • Grundlagen der europäischen und nationalen Bildungspolitik, z. B. Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen, Koalitionsvertrag 2013, Verankerung von Sprachbildung und -förderung auf Landesebene
  • Zusammenhänge: Bildung von Nationalstaaten, Lingua Franca, Normierungsprozesse von Sprache, Hierarchie von Sprachen

C Studierende kennen die in den curricularen Vorgaben verankerten Ziele und Anforderungen ihrer Fächer bezüglich sprachlicher Kompetenzen.

D Studierende können die curricularen Vorgaben mit Konzepten institutioneller Mehrsprachigkeit vergleichen.

  • (Zweit-)Sprache in Bildungsstandards, Kerncurricula und Lehrplänen
  • Erlasse auf Landesebene zu schulischhen Sprachförderangeboten, z. B. zum Herkunftssprachenunterricht, Curriculum Mehrsprachigkeit, Gesamtsprachencurriculum
E Studierende können unterschiedliche pädagogische Konzepte für den Umgang mit sprachlicher Heterogenität in einer inklusiven Schule erläutern.
  • Schulgesetzliche Rahmenbedingungen der inklusiven Schule mit Bezug auf Mehrsprachigkeit
  • Chancen und Grenzen der inklusiven Schule
  • Intersektionalität
Kompetenzbeschreibungen Exemplarische Inhalte

A Die Studierenden können aktuelle und historische Ausprägungen von Migrationsprozessen darstellen.

Die Studierenden können bildungspolitische und pädagogische Reaktionen auf Migrationsprozesse beschreiben.

  • Integration/Inklusion, Segregation, Marginalisierung, Assimilation
  • historische Migrationsprozesse im deutschsprachigen Raum, insbesondere seit den 50er-Jahren des 20. Jh.
  • z. B. Beschulungsformen, Modelle mehrsprachiger Erziehung
  • Maßnahmen zur Sprachstandsfeststellung und Sprachförderung
  • Maßnahmen zur interkulturellen Bildung

 B Die Studierenden können die im Zusammenhang von Bildung und Migration verwendeten Begriffe zur Bezeichnung von Schülerinnen und Schülern wiedergeben.

Die Studierenden können den Stellenwert der im Zusammenhang von Bildung und Migration verwendeten Begriffe zur Bezeichnung von Schülern und Schülerinnen erläutern.

  • Schüler/Schülerinnen mit Migrationshintergrund, Migranten der 1. und 2. Generation, Ausländer/Ausländerinnen
  • Bedeutungen und Hintergründe bei der Wahl der Begriffe

 C Die Studierenden können zentrale Kategorien zur Beschreibung des Zusammenhangs von Lebens- und Bildungssituation darstellen.

Studierende können den Stellenwert der Kategorien zur Beschreibung des Zusammenhangs von Lebens- und Bildungssituation in Bildungsforschung und -praxis erläutern.

  • Z. B. Bedeutung der Begriffe Bildungsbeteiligung, schulische Leistungen, Bildungserfolg
  • Begründung und Zweck der Kategorienbildungen

D Die Studierenden können die Inhalte von Studien zur Lebens- und Bildungssituation von Kindern und Jugendlichen darstellen.

Die Studierenden können Ergebnisse aus Untersuchungen zur Lebens- und Bildungssituation von Kindern und Jugendlichen interpretieren.

Die Studierenden können die empirische Belastbarkeit von Studien zur Lebens- und Bildungssituation von Kindern und Jugendlichen beurteilen.

  • Schulleistungsstudien und z. B. Jugendstudien und andere statistische Erhebungen

E Die Studierenden können Erklärungsansätze zur (herkunftsbedingten) Benachteiligung von Kindern und Jugendlichen in Bildungsprozessen aufzeigen.

Die Studierenden können Forschungsansätze zur Erklärung von Benachteiligung in Bildungsprozessen erläutern.

Die Studierenden können Forschungsansätze zur Erklärung von Benachteiligung beurteilen.

  • Entwicklung der Sprachkompetenz
  • humankapitaltheoretische Gründe
  • ethnische Segregation
  • institutionelle Diskriminierung
Kompetenzbeschreibungen Exemplarische Inhalte

A Studierende können sprachstrukturelle Charakteristika und Funktionen sprachlicher Register (v. a. Bildungs-, Fach-, Alltags-, Unterrichts- und Schulsprache und deren Erwerb) beschreiben.

  • Sprachwissenschaftliche Beschreibungsebenen: bildungssprachliche Charakteristika in Bezug auf Lexik, Syntax, Text, Pragmatik (Sprachbeschreibungsebene)
  • Spracherwerbstheorien, Zweitspracherwerb
  • Didaktische Grundlagen der Vermittlung und Förderung des Deutschen als Zweitsprache
  • Konzepte des sprachsensiblen Fachunterrichts
  • [...]

 

 

 

 

 
 

 B Studierende können Theorien zum Spracherwerb und zum Erwerb des Deutschen als Zweitsprache skizzieren.

 C Studierende können die verschiedenen Ebenen der Sprachbeschreibung darstellen.

D Studierende können schul-  und fachspezifische Sprachhandlungen bzw. Textsorten und die damit verbundenen Anforderungen erschließen.

E Studierende können didaktische Ansätze und Methoden der sprachsensiblen (Fach-)Unterrichtsplanung und -gestaltung konzipieren.

F Studierende können Unterricht in Hinblick auf das Register Bildungssprache sprachsensibel und reflektierend planen.

  • Bildungssprachförderliches Lehrer- und Lehrerinnenhandeln (additive und integrative Förderkonzepte) und Unterrichtsplanung
  • selbstreflektierendes Lehrer- und Lehrerinnenhandeln
  • Sprachregister (Bildungs-, Fach-, Alltags-, Schulsprache)
  • Zusammenhänge und Wechselbeziehungen zwischen Alltags-, Bildungs-, Fachsprache-, alltäglicher Wissenschaftssprache, Wechselwirkungen zwischen sprachlichen Registern und dem Erwerb von fachlichen Kompetenzen, z. B.: Fachwissen und Fachsprache, fachbezogene Begriffsbildung
  • [...]

G Studierenden können die Bedeutung einzelner Sprachregister für das Verständnis von fachlichen Inhalten einordnen. Dies berücksichtigen sie, indem sie die Vermittlung bildungssprachlicher Charakteristika in die Modellierung von Unterricht einbeziehen.

H Studierende können Reflexionsphasen im Unterricht einplanen, damit die Schülerinnen und Schüler Register bewusst wahrnehmen, ihre Funktionen reflektieren und situativ bedingt zwischen ihnen wählen und wechseln können.

Kompetenzbeschreibungen Exemplarische Inhalte

A Die Studierenden können den gegenwärtigen Forschungsstand zu Mehrsprachigkeit und Deutsch als Zweitsprache skizzieren.

  • typische Erwerbsfolgen in der deutschen Sprache unter Einbezug von Mehrsprachigkeit
  • Beschreibung von Mehrsprachigkeit (individuell, familiär und schulisch)
  • Verhältnis von Mehrsprachigkeit und kognitiver Entwicklung

B Die Studierenden können grundlegende strukturelle und typologische Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Sprachen aufzeigen.

  • Reflexion über Sprache, Verfahren des Sprachvergleichs, Lerner- und Lernerinnensprachen, mögliche Transferprozesse
C Die Studierenden können aus didaktischen Konzeptionen zur Sprachenvielfalt Schlüsse für ihr didaktisches Handeln bzw. ihre Unterrichtsplanung ziehen.
  • Prozesse der Konstruktion und Dekonstruktion von Differenzlinien
  • diversity education
  • (Critical) Language Awareness
  • Interkulturelle Bildung und Kommunikation
D Die Studierenden können unter Berücksichtigung der Erwerbs- und Bildungsbiographien der Lernerinnen und Lerner relevante Lernbereiche und Lernpotenziale für ihre Unterrichtsplanung identifizieren.
  • Meilen- und Stolpersteine im Erwerb des Deutschen im Kontext von Mehrsprachigkeit
  • Sprachliche Basisqualifikationen
  • Mehrsprachigkeit und Identität, mögliche identitätsstiftende Bedeutung von Sprache(n)
  • Sprachbiographien
  • Bildungsbiographien
  • diskursive Potenziale
  • Varietäten

E Die Studierenden können Strategien zur Förderung des Erwerbs kommunikativer Kompetenzen im mehrsprachigen Klassenzimmer beurteilen.

  • Mehrsprachigkeit in Lehr- und Lernfeldern:
  • Beratung der Eltern und Erziehungspartner
  • Mehrsprachigkeit in Bildungsstudien
  • Interkulturelle Kompetenz
  • Didaktische Modellierung von Mehrsprachigkeit
Kompetenzbeschreibungen Exemplarische Inhalte

A Studierende wissen, dass die sprachlichen Anforderungen des Fachunterrichts u. a. aus fach- und bildungssprachlichen Elementen sowie interaktiven Problemlösungen bestehen.

  • Konzeptuelle, sprachliche und pragmatische Aspekte der Bildungssprache in fachlicher Funktion (grammatische Metapher, Generalisierungen, Anthropomoprhismen etc.)
B Studierende können aufzeigen, dass die sprachlichen und inhaltlichen Anforderungen ihres Faches miteinander verbunden sind.
  • z. B. Passivsätze zur Darstellung allgemeingültiger Grundsätze im Physikunterricht
C Studierende können bildungs- und fachsprachliche Merkmale, Anforderungen und potentielle Problembereiche mindestens eines ihrer Unterrichtsfächer identifizieren.
  • Typische Konstruktionen (zur Beschreibung von Experimenten in Chemie oder Physik, von Graphen/Tabellen in Mathematik oder bei der Erstellung von Berichten in Deutsch)
  • Sprachliche Stolpersteine in Schülertexten, Lehrmaterialien, Aufgabenstellungen, unterrichtlichen Äußerungen (Überlagerung alltagssprachlicher und fachsprachlicher Bedeutung)

D Studierende können die jeweiligen fächerspezifischen Diskursfähigkeiten beschreiben und ihre Funktionen darstellen.

 

  • Versuchsbeschreibung in Chemie oder Physik; Bericht in Deutsch; Formeln/Graphen/Tabellen in Mathematik
  • Handlungsinitiierende Funktion der Operatoren

E Studierende können den Zusammenhang zwischen Sprachhandel-, Denk- und Mitteilungsstrukturen des Faches in mehrsprachigen Kontexten beschreiben.

  • Sprachliche, kulturelle und genderspezifische Besonderheiten der Fächer und Fachdidaktiken
Kompetenzbeschreibungen Exemplarische Inhalte

A Studierende können Verfahren zur Einschätzung des Sprachstands darstellen.

  • Verfahrenstypen, wie Beobachtungsverfahren, Schätzverfahren, Testverfahren u. a.
  • Verfahren zu unterschiedlichen Fertigkeitsbereichen, wie Profilanalyse, Niveaubeschreibungen, C-Test, Fast Catch Bumerang, Lesetest für Berufsschüler u. a.
  • Empfehlung: ausgewählte, schulformspezifische Verfahren können dargestellt werden
B Studierende können einzelne Verfahren zur Sprachstandsfeststellung anwenden.
  • Verfahren zu unterschiedlichen Fertigkeitsbereichen, wie Profilanalyse, Niveaubeschreibungen, C-Test, Fast Catch Bumerang, Lesetest für Berufsschüler u. a.
  • Empfehlung: mindestens zwei Verfahren können angewendet werden
C Studierende können Vor- und Nachteile der Verfahren anhand von Testgütekriterien beurteilen.
  • Testgütekriterien: Validität, Reliabilität, Objektivität
  • Empfehlung: Verfahren, die angewendet werden, können vegleichend beurteilt werden

D Studierende analysieren Fachunterrichtsmaterialien und Unterrichtskommunikation hinsichtlich sprachlicher Stolpersteine.

  • Aufgaben- und Videoanalyse
Kompetenzbeschreibungen Exemplarische Inhalte

A Studierende können ihr Wissen über die sprachlichen Anforderungen ihres Faches, die Sprachfähigkeiten ihrer Schülerinnen und Schüler und die Ergebnisse erfolgter Diagnostik in der Konzeption ihres Unterrichts anwenden.

  • Erstellen eines Unterrichtsentwurfes
  • Erstellung eines Planungsrahmens (Tajmel 2009) mit einem erweiterten sprachlichen Erwartungshorizont
  • Binnendifferenzierung, Scaffolding, Korrektives Feedback

B Studierende können einen integrativen sprachsensiblen Fachunterricht planen.

  • Fachspezifische Lernumgebung
  • Strategien zur Wissensstrukturierung
C Studierende können Verfaren und Methoden der Individualförderung nach Beurteilung ihrer Wirksamkeit nutzen.
  • Förderverfahren auf Basis von Grießhabers Profilanalyse
  • Prozeduren-Didaktik, Peer Learning, adaptives Lernen

D Studierende können für die Bearbeitung von Problemlösungen spezifische didaktische Prinzipien und Methoden zur Förderung fächerspezifischer und fächerübergreifender Diskursfähigkeiten in mehrsprachigen Kontexten einsetzen.

  • Darstellungswechsel; Dialogisches Lernen; Narrative Didaktik im Sinne der Wissenschaftsorientierung Sek I
  • Funktionales Schreiben im Fach; Vermittlung der Textsortenspezifik

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